
Alarmsignal aus der Mitte der Jugend: Das Backlash-Barometer der Allianz Foundation
Die zweite „Next Generations"-Studie entwickelt ein neues Frühwarnsystem für antidemokratische Tendenzen – mit beunruhigenden Befunden zu Nostalgie, Ausgrenzung und Gewaltbereitschaft
Im Sommer 2025 befragte das SINUS-Institut im Auftrag der Allianz Foundation insgesamt 8.508 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 39 Jahren in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Spanien. Ein zentrales Instrument dieser zweiten Ausgabe ist das sogenannte Backlash-Barometer – ein neu entwickeltes Messinstrument, das systematisch erfasst, wie weit antidemokratische und nostalgische Haltungen in der europäischen Jugend verbreitet sind.
Backlash wird dabei als eine politische Strategie definiert, die Nostalgie einsetzt, um einen vermeintlich besseren früheren Gesellschaftszustand wiederherzustellen – selbst wenn dafür Hass und Gewalt zum Einsatz kommen. Das Barometer misst diese Affinität entlang vier Dimensionen. Knapp die Hälfte der jungen Europäer (47 Prozent) fühlt sich politisch übergangen. Durchschnittlich 43 Prozent hegen nostalgische Gefühle gegenüber einer idealisierten Vergangenheit. 28 Prozent befürworten regressive Gesellschaftsvorstellungen mit wiederhergestellten Geschlechterrollen und marginalisierten Minderheiten. Ganze 10 Prozent befürworten offen Hass im Netz, illegale Protestaktionen und sogar Gewalt gegen Menschen in politischen Ämtern – zählt man jene hinzu, die diesen Aktionen zumindest teilweise zustimmen, steigt der Anteil auf 21 Prozent.
Beim Thema Diskriminierung offenbart die Studie ein paradoxes Bild. Besonders überraschend ist, dass gerade unter Befragten mit Migrationshintergrund der Besorgnisgrad hinsichtlich Diskriminierung aufgrund der Herkunft tendenziell niedrig ist – was bedeutet, dass sich auch weniger Menschen für dieses Thema engagieren. 28 Prozent der jungen Menschen in Deutschland sehnen sich nach einem „Gestern" mit weniger Zuwanderung, traditionellen Geschlechterrollen und weniger Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte.
Studienleiter Simon Morris-Lange warnt, dieser Teil der jungen Menschen stelle die Errungenschaften der Demokratie infrage – ihr Hass auf Andersdenkende und ihr Zuspruch für politische Gewalt seien ein Nährboden für radikale Bewegungen, die die gesellschaftliche Spaltung befeuern.

